Über ein Jahr Corona – Kurzrückblick

Wie schnell die Zeit vergeht. Über ein Jahr ist das Virus nun schon präsent.
Ja es hat sich ausgeweitet, rasant, schnell, weltweit!

Etwas gleich vorweg: Nach einem Jahr habe ich eine ganz klare Meinung zu Corona,- sofern man überhaupt eine Meinung haben kann!
Ich habe keine Angst vor dem Virus, keine Angst zu sterben. Ich sage auch nicht dass das Virus nicht schlimm ist, es ist sicher für all diejenigen schlimm welche einen lieben Angehörigen verloren haben oder diejenigen welche Langzeitfolgen haben. Dennoch ist es so dass prozentual wenige Menschen an Covid schwer erkranken. Ich bin der Meinung dass das Leben immer ein gewisses Risiko zu erkranken beinhaltet und sehe es als Schicksal an wenn es mich oder einen meiner Nächsten treffen würde.
Logisch muss man das Schicksal nicht heraus fordern und gewisse Regeln sollten eingehalten werden, einfach schon aus Solidarität zu den Mitmenschen. Aber Angst? Nein Angst habe ich keine!

Coronaleugner und Panikmacher
Manchmal habe ich das Gefühl als gäbe es nur schwarz und weiss. Gut und Böse, Richtig oder Falsch, und keinen Zwischenweg.
Während die Einen am liebsten hätten dass die komplette Menschheit weggesperrt wird, gehen Andere auf die Strasse und wollen dass sofort alle Massnahmen verschwinden. Irgendwie habe ich das Gefühl als kann man gar nicht mehr laut sagen was man denkt, denn sobald man etwas sagt kriegt man den Stempel verpasst. So müsste ich wohl bei meinem Gedankengut mehrmals den Stempel Coronaleugner erhalten, aber auch der Panikmacherstempel würde vor mir keinen Halt machen.
Wie gesagt, ich habe keine Angst. In meinen Augen ist das Coronavirus was es ist, EIN Coronavirus. Wie die Grippe auch. Was aber keinesfalls heisst dass dieses Coronavirus DIE Grippe ist. Es gibt schwerere Verläufe als bei der Grippe und auch ein paar Tote mehr (ach ja, wir hatten letzten Winter in der Schweiz gar keine Grippefälle). Aber schlussendlich ist es eine Krankheit welche die meisten Menschen gut meistern können und von daher unterscheidet es sich nicht signifikant von eben einer Grippe. ABER es gibt kaum Behandlungsmöglichkeiten, keine Medikamente und Impfung erst seit kurzem. All diese Dinge sind bei der Grippe gegeben, Menschen können behandelt werden. Bei Corona ist Nichts existent und so laufen Spitäter und Pflege am Anschlag. Dieses Wissen im Hinterkopf, dass es kein Medikament gibt welches einen schweren Covidverlauf stoppen kann ist das was in vielen Menschen Panik auslöst. Diese Ungewissheit was dann ist und die Gewissheit dass ein Arzt nicht einfach mal schnell ein Pülverchen verschreiben kann und es ist wieder gut.
Ich nehm Rücksicht auf diese Menschen die Angst haben. Ich trage die Maske, obwohl ich sie selber als sinnlos ansehe, ich halte Abstand und ich gehe Alles etwas ruhiger an.

Im Familienumfeld
Machen wir uns Nichts vor, Alle sind Corona müde. Die ersten 6 Wochen haben wir uns alle dran gehalten. Ich ging 6 Wochen nicht aus dem Haus, hab mich mit niemandem getroffen um die Familie zu schützen.
Doch dann haben wir Alle etwas bemerkt. Es ging uns seelisch nicht mehr wirklich gut. Die Seele litt unter der Isolation. Es war nie verboten sich zu treffen, aber man hat es gemacht weil der Bund meinte es sei besser, man solle auf Kontakte möglichst verzichten. Viele Telefonate mit meiner Mutter (76) liessen dann den Schluss zu dass wir das für uns nicht mehr möchten, wir das nicht mehr machen werden. Es fanden ab da wieder regelmässige Treffen statt, welche wir Alle sehr genossen. Und ob Du das jetzt gerne liest oder nicht,- wir haben uns immer geknuddelt und werden es auch weiter tun! Das ist uns viel zu wichtig als dass wir uns das nehmen lassen. Wir wissen aber auch immer mit wem wir Kontakt hatten. Unsere Kontakte halten sich nach wie vor in Grenzen. Lange Zeit sah ich niemand Anderen als meine engsten Angehörigen. Es war schon schlimm genug meine Mutter 6 Wochen nicht zu sehen, oder den kleinen Enkel welcher damals noch nicht mal 1 Jahr alt war. 6 Wochen sind so verdammt lange in einem Babyleben. Einmal vorbei kann man das nicht nachholen. So habe ich beschlossen selber zu bestimmen was für mich wichtig und richtig ist, allerdings immer in Absprache mit meinen Liebsten und immer mit Rücksicht auf andere Menschen. Heute sind wir viel enger zusammen gewachsen. Wir schätzen es glaube ich Alle umsomehr. Inzwischen sind ja wieder 10 Menschen im Innenraum und 15 draussen zusammen zugelassen. So treffen wir uns oft zu Spielenachmittag mit der Verwandtschaft oder einmal im Monat zu einem Familienstamm im Wald.
Meine Mutter lebt auch wieder, wir haben das besprochen. Es ist ihr einfach mehr wert das Leben zu leben als eingeschlossen und voller Angst zu Hause zu warten bis die Pandemie vorbei ist. Wir alle waren uns die ganze Zeit des Risikos bewusst dass man erkranken könnte wenn man sich nicht gleich einschliesst zu Hause. Aber dieses Risiko war es wert,- wäre es auch wert gewesen wenn wir erkrankt wären.

Impfung
Inzwischen wird seit 4 Monaten in der Schweiz geimpft. Die erste Impfung kam ende 2020 auf den Markt. Auch da wieder riesen Aufschreie: Die Einen meinten das sei gefährlich wegen der kurzen Testphase, Anderen wiederum konnte es nicht schnell genug gehen und die waren am nörgeln (und nörgeln noch immer) über die Lahmheit des Bundes.
Ich selber bin eher ein impfkritischer Mensch. Bin gegen Vieles nicht geimpft weil ich nicht einfach eine Impfung möchte für den kleinen eventuellen Fall dass ich an etwas erkranke. Mein kleinerer Sohn hatte ein Impfschaden (meinte jedenfalls der Kinderarzt), er hat im Alter von 1 Jahr alle Haare verloren (und die waren dicht) und trug dann eine Glatze bis 5. Ich möchte gar nicht länger auf diese Geschichte eingehen, jedenfalls wurde damals in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt beschlossen dass meine Kinder keine Impfungen mehr einfach vorbeugend erhalten.
Logisch wurden sie geimpft wenn was war,- so z.b. als sich der Kleinere mit einer Axt ins Bein geschlagen hat, da gab es dann natürlich die Starrkrampfimpung. Auch liess ich mich impfen als ich in ein Gelbfieberrisikogebiet reiste. Ich denke es ist immer ein abwägen. Noch zu Anfang von Corona war ich mir sicher dass ich mich nicht impfen lasse, weil ich ja keine Angst vor der Krankheit habe. Nun habe ich mich aber doch entschieden mir diese Schüsse verpassen zu lassen. Zum Eingen weil ich einfach das Risiko von Langzeitschäden nicht möchte. Das Einzige wo ich mich bei Covid fürchte sind Langzeitschäden, nicht ein schwerer Krankheitsverlauf oder gar Tod, aber Langzeitschäden, Atemnot, das möchte ich nicht. Zum Anderen aber auch weil ich der Überzeugung bin dass es wichtig ist für die Bevölkerung eine möglichst grosse Imunisierung hin zu kriegen. Wenn ich Corona kriege ist es das Eine, ich könnte es mir aber nicht verzeihen jemand Anderen damit anzustecken der dann vielleicht einen schweren Verlauf hat. Darum um Andere zu schützen, um zu helfen dass die Immunisierung voran schreitet, nur darum lasse ich mich in 45 Stunden impfen.

Die Handlungen der Regierung
Immer wieder hört und liest man dass unser Bundesrat versagt habe.
Diese Meinung kann ich überhaupt nicht teilen. Der Bundesrat hat immer das gemacht was er im Moment als korrekt angeschaut hat. Dass es für die Meisten das Falsche war (für die Einen zu harte Massnahmen, für die Anderen zu lasch) ist klar.
Das Einzige was mich ärgert ist dass auf einmal tonnenweise Spezialisten auftreten. Spezialisten die meinen vor der Presse den Mund aufmachen zu müssen. Die sollen doch einfach über den Bund gehen und nicht Panik schüren um danach zu sagen April, April ist jetzt doch Anders als angenommen.
Ich möchte in dieser Zeit nicht Regierungsmitglied sein und ich kann nur sagen dass es eine hervorragende Arbeit ist was die Regierung in kurzer Zeit macht. Dass da mal eine Panne passiert ist klar, gehört dazu, ist menschlich. Auch die Regierungsmitglieder sind immer noch Menschen! Und ich bin im festen Glauben dass sie nur das Beste für uns Alle wollen.

Massnahmen
Die ganzen Massnahmenpakete die wir in den letzten Monaten hatten waren unterschiedlich. Erst hiess es ja Masken seien unnütz (damals hatte die Schweiz zu wenig Masken) und dann kam sie doch die Maskenpflicht. Erst nur in ÖV und Läden und dann immer an weiteren Orten.
Ich bin kein Freund von Masken, das geb ich zu. Ich bezweifle die Wirksamkeit und gehe davon aus dass es sogar eher schädlich ist durch diesen Lappen zu atmen. Aber es ist wie es ist! Die Maskenpflicht ist da und dort wo ich die Maske tragen muss trage ich sie auch. Dort wo sie mich stört, das mache ich dann einfach nicht. Ich geh also nicht ins Kino oder ins Theater im Moment. Einkaufen schicke ich meist meinen Mann und sonst gibt es zum Glück keine Situationen wo ich eine Maske tragen muss. Ich weiss dass es nicht Allen so geht und viele Menschen bei der Arbeit eine Maske tragen müssen. Auch mein Mann muss den ganzen Tag mit der Maske rum rennen, er meint aber dass er sich inzwischen dran gewöhnt hat. Ich selber werde mich wohl nie daran gewöhnen,- vielleicht auch weil ich das nicht will.
Momentan ist die Schweiz grad in einer Lockerungsphase und die Hoffnung wird vom Bund genährt dass wir in ferner Zukunkt wieder ein normales Leben führen können.

Vergleich Massnahmeumsetzungen
Wie die Regeln vom Bund ausgelegt werden ist ganz unterschiedlich.
Selber begrüsse ich es wenn die Regeln nicht zu strickt sind, mit gesundem Menschenverstand. Hier mal zwei Beispiele für die Umsetzung von zwei Regeln.

Regel 1: In öffentlichen Innenräumen, Verkaufsräumen gilt eine bestimmte Personenzahl und Maskenpflicht
In einigen Läden wird die Zutrittskontrolle stark geprüft. So z.b. im Shop des ZürichZoos, da sind nur ganz wenige Menschen zugelassen im Laden. Man steht an und hat dann fast den ganzen Laden für sich alleine.
Bei uns in der Migros hat es zwar eine Ampel mit einem rot-grün System. Aber die sah ich bisher nur auf grün, auch wenn das Ladengeschäft propevoll ist.
Und dann ist da noch ein Grosshändler mit einem grossen Verkaufsladen. Grosses Schild „Maskenpflicht und Besuch nur auf Voranmeldung“ an der Tür. Eintreten kann man immer, anmelden braucht man sich auch nicht und Maske trägt dort auch Niemand. Er sei kein Laden, es kann ja nicht Jeder rein, von daher gelten die Regeln da nicht, er hätte extra das BAG angefragt.

Regel2: Hallenbäder Maskenpflicht
Es ist wohl unklar bis wohin in einem Hallenbad die Maske getragen werden muss. Hallenbäder dürften wieder öffnen. Aber irgendwie ist sich keiner so richtig sicher wiewowas. Schon vor dem letzten Lockdown war das uneinheitlich. Ging ich in die Sauna in Uster galt Maskenpflicht in den Liegebereichen. In Ägeri wiederum galt keine Maskenpflicht in Liegebereichen.
In Wädenswil musste die Maske bis zum Beckenrand getragen werden, in Uster nur bis zur Dusche und in Zurzach? In Zurzach bis zur Kabine und dann kann man sich frei bewegen. Allerdings muss ich auch sagen dass in Zurzach momentan nur die Aussenbereiche geöffnet sind und dort merkt man allerdings kaum was von Corona, ausser vielleicht dass die Menschen 1m Abstand einhalten. Mehr geht oft nicht weil die Massagedüsen im Wasser einen Meter auseinander sind.

Es fällt immer wieder auf dass die Regeln je nachdem anders ausgelegt werden. Je nachdem wie grad etwas gewichtet wird. Ob die Entscheidungsträger eher ängstlich oder offen sind.
Der Satz „Regeln sind da um gebrochen zu werden“ hatte wohl nie mehr Wahrheit als im Moment. Denn was hier gilt kann 10km später wieder ganz Anders sein. Jeder Laden, jedes Restaurant, jedes Sportcenter macht es Anders. Eins haben aber Alle gemeinsam: Sie versuchen einen möglichst angehemen Aufenthalt entsprechend dem Gesetz dem Kunden zu vermitteln.

Schweiz versus Ausland
Ganz ehrlich: Ich war noch nie so froh in der Schweiz zu leben wie gerade zu dieser Pandemie! Wenn ich sehe was teilweise im Ausland für Regeln herrschen, da stellen sich mir die Nackenhaare zu Berge. In Deutschland schieben Viele eine solche Panik wo ich keine Relevanz mehr sehe. Deutschland hat trotz viel härteren Massnahmen keine anderen Zahlen als die Schweiz. Im Gegenteil, rechnet man es hoch haben sie sogar leicht mehr Tote. Das Glück der Schweiz ist es wohl ein relativ intaktes Gesundheitssystem zu haben. Zwar ist auch bei uns ein kleiner Pflegenotstand, aber noch lange nicht so frapant wie angrenzenden Ländern. Das jahrelange sparen, runterfahren bis an die Untergrenze des Personals, bis die am Anschlag waren, – genau das rächte sich jetzt. Denn nun war auf einmal Mehrarbeit vorhanden und viele Länder hoffnungslos überfordert.
Ich bin froh in der Schweiz zu sein, wo wir doch verhältnismässig viele Freitheiten haben. Wir hatten nie Ausgangssperre, konnten immer einkaufen ohne Terminvereinbarung, sassen noch / und wieder / im Restaurant als rundum Alles dicht war. Wir können auch jetzt zum Sport, ins Kino, ja sogar an kleine Konzerte. Wir hatten nie ein Verbot Verwandte oder Freunde zu treffen (es war immer nur ein Gebot), wir durften uns frei bewegen, hatten nie eine Radiusbegrenzung.
Es geht uns gut!